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5 Anzeichen, dass Ihre Website einen Relaunch braucht

Fünf prüfbare Signale für einen überfälligen Relaunch, mit Selbsttests von je zehn Minuten und der Frage: Renovierung oder Neubau?

Dioriads SolutionsVeröffentlicht am 8 Min. Lesezeit
Inhalt

Die wenigsten Websites werden über Nacht schlecht. Sie veralten leise: ein Plugin mehr, ein Bild ohne Komprimierung, eine Unterseite, die seit vier Jahren niemand mehr angefasst hat. Irgendwann kommen weniger Anfragen, und niemand kann genau sagen, woran es liegt.

Die folgenden fünf Anzeichen lassen sich objektiv prüfen. Zu jedem gehört ein Selbsttest von etwa zehn Minuten, für den Sie nur Ihr Telefon, einen Browser und etwas Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Seite brauchen.

1. Auf dem Smartphone ist sie unbenutzbar

Bei lokal ausgerichteten Angeboten kommen in den Projekten, die wir betreuen, meist 60 bis 80 Prozent der Zugriffe vom Handy. Getestet wird die Seite trotzdem fast immer am großen Monitor im Büro, mit Maus und schneller Leitung.

Der Selbsttest: Nehmen Sie ein echtes Gerät, kein schmal gezogenes Browserfenster. WLAN aus, Mobilfunknetz an. Bedienen Sie die Seite einhändig, im Stehen, und erledigen Sie drei Aufgaben: Leistungsumfang oder Preis finden, das Kontaktformular abschicken, die Telefonnummer anrufen.

Woran es typischerweise scheitert:

  • Tap-Targets unter 44 mal 44 Pixel. Menüpunkte, die aneinanderkleben, trifft niemand mit dem Daumen zuverlässig.
  • Formularfelder ohne passenden Feldtyp. Bei der Telefonnummer muss die Zifferntastatur aufgehen, beim E-Mail-Feld die mit dem At-Zeichen. Autofill-Attribute sparen die halbe Tipparbeit.
  • Telefonnummer als reiner Text statt als anklickbarer Link. Auf dem Handy ist das einer der häufigsten Abbrüche überhaupt.
  • Schrift unter 16 Pixel in Eingabefeldern, woraufhin das Betriebssystem beim Antippen hineinzoomt und das Layout verrutscht.
  • Horizontales Scrollen. Lässt sich die Seite seitlich schieben, ist ein Element breiter als der Bildschirm.

Responsiv heißt nicht, dass alles kleiner wird. Es heißt, dass die Reihenfolge stimmt: Das Wichtigste steht oben, die Navigation bleibt mit einer Hand erreichbar, und nichts verschwindet nur, weil der Platz knapp wurde.

2. Sie ist zu langsam

Labordaten und Felddaten sind nicht dasselbe. Ein Test-Werkzeug misst unter simulierten Bedingungen von einem Server aus, gut für die Fehlersuche. Was Ihre Besucher erleben, steckt in den Felddaten von echten Geräten, die Sie in der Google Search Console unter Core Web Vitals sehen. Wenn beide auseinandergehen, gewinnen die Felddaten.

Der Selbsttest: Mobilfunknetz statt WLAN, privates Fenster für einen leeren Cache, Stoppuhr. Messen Sie, wie lange es dauert, bis Sie etwas Lesbares sehen, nicht, bis alles fertig geladen ist.

MesswertRealistisches ZielWas er beschreibt
Erster sichtbarer Inhaltunter 1 SekundeDer Moment, in dem die Seite nicht mehr leer ist
Largest Contentful Paintunter 2,5 SekundenWann das größte Element im sichtbaren Bereich steht
Interaction to Next Paintunter 200 MillisekundenWie schnell die Seite auf Tippen reagiert
Cumulative Layout Shiftunter 0,1Wie stark Inhalte beim Laden springen

Die Ursachen sind fast immer dieselben vier:

  1. Unkomprimierte Bilder. Ein Titelbild mit 4 MB, direkt aus der Kamera hochgeladen. In modernem Format und passender Größe wären es 150 KB bei identischer Wirkung.
  2. Zu viele Plugins. Jedes bringt eigenes CSS und JavaScript mit, auch auf Seiten, auf denen seine Funktion gar nicht vorkommt.
  3. Eingebettete Fremdskripte. Chat-Widget, zwei Tracking-Pixel, eine Kartenansicht, Schriften von einem externen Server: fünf Verbindungen zu fremden Hosts, bevor Ihr eigener Text erscheint.
  4. Kein Caching. Jede Anfrage baut die Seite neu zusammen, obwohl sich seit Wochen nichts geändert hat.

Belastbare, branchenübergreifende Zahlen zur Absprungrate gibt es nicht. Der Mechanismus ist trotzdem unstrittig: Wer über eine Anzeige auf dem Handy kommt und drei Sekunden auf eine weiße Fläche schaut, geht zurück zu den Suchergebnissen. Diesen Verlust sehen Sie in keiner Auswertung, weil er eintritt, bevor überhaupt etwas gemessen wird.

3. Sie erklärt nicht, was Sie anbieten und was der nächste Schritt ist

Der Fünf-Sekunden-Test: Zeigen Sie Ihre Startseite jemandem, der Ihr Geschäft nicht kennt, für genau fünf Sekunden. Dann verdecken Sie den Bildschirm und stellen drei Fragen: Was macht dieses Unternehmen? Für wen? Was wäre jetzt der nächste Schritt? Zwei von drei Antworten müssen sitzen.

Durchgefallen sind vor allem Startseiten, die als Bilderrätsel funktionieren: Vollbild-Slider, Stimmungsfoto, darüber eine Zeile wie "Willkommen bei uns". Ein Satz, der Angebot, Zielgruppe und Ort benennt, schlägt jede Slideshow.

Eine Website muss nicht gefallen. Sie muss in fünf Sekunden klarmachen, wem sie wobei hilft. Alles andere ist Ausstattung.

Zwei Dinge fehlen fast immer:

  • Ein klarer nächster Schritt. Pro Seite eine Hauptaktion, benannt nach dem, was tatsächlich passiert: "Termin in 15 Minuten vereinbaren" schlägt "Mehr erfahren". Neun gleichwertige Schaltflächen wirken wie keine einzige.
  • Vertrauenselemente. Referenzen mit Namen statt anonymer Logos, ein Ansprechpartner mit Gesicht und Durchwahl, Preise oder wenigstens ein Rahmen wie "Projekte typischerweise ab 8.000 Euro". Wer den Preis vollständig verschweigt, verliert genau die Anfragen, die zum Budget gepasst hätten.

4. Sie ist rechtlich und technisch veraltet

Der Selbsttest: Impressum aufrufen, Datenschutzerklärung querlesen, die Entwicklerwerkzeuge des Browsers öffnen und vor dem Klick auf den Cookie-Banner nachsehen, welche Cookies bereits gesetzt sind.

Typische Befunde:

  • Impressum unvollständig. Die Pflichtangaben stehen seit Mai 2024 in Paragraf 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes, das an die Stelle des Telemediengesetzes getreten ist. Häufig fehlen Rechtsform, Vertretungsberechtigte oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
  • Datenschutzerklärung, die nicht zur Seite passt. Sie nennt Dienste, die längst abgeschaltet sind, und schweigt zu denen, die laufen.
  • Ein Cookie-Banner, der nichts blockiert. Starten Analyse- oder Marketingskripte schon vor der Einwilligung, ist das Banner reine Kulisse. Maßstab ist Paragraf 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes.
  • Kein HTTPS oder gemischte Inhalte, also einzelne Bilder und Skripte, die weiterhin unverschlüsselt geladen werden.
  • Veraltetes CMS. Ein System, dessen letzte Aktualisierung zwei Jahre zurückliegt, hat öffentlich dokumentierte Sicherheitslücken. Das ist kein Restrisiko, sondern eine Einladung.
  • Backups, die nie zurückgespielt wurden. Ein Backup ohne getestete Wiederherstellung ist eine Vermutung.

Dazu kommt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Es verpflichtet unter anderem Anbieter bestimmter Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr gegenüber Verbrauchern, also etwa Websites und Apps, über die Verbraucher Verträge abschließen oder Leistungen buchen. Technischer Maßstab ist im Kern die Norm EN 301 549, die auf WCAG 2.1 Stufe AA verweist; für Dienstleistungen gilt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel klärt das eine Anwältin oder ein Anwalt. Technisch prüfen können Sie vorab, ob sich die Seite vollständig per Tastatur bedienen lässt, ob die Kontraste ausreichen und ob jedes Formularfeld eine verknüpfte Beschriftung hat.

5. Niemand findet sie

"Wir stehen nicht bei Google" bedeutet in der Praxis zwei verschiedene Dinge: Entweder die Seite ist gar nicht im Index, oder sie ist auffindbar, aber nur für Begriffe, die niemand eingibt.

Der Selbsttest in drei Schritten:

  1. Indexierung prüfen. Suchen Sie nach site:ihre-domain.de. Die Trefferzahl sollte grob zur Zahl Ihrer echten Seiten passen. Zehn Ergebnisse bei achtzig Unterseiten heißt: technisches Problem.
  2. Markenname suchen. Bei Ihrem eigenen Firmennamen müssen Sie auf Platz eins stehen. Wenn nicht, stimmt etwas Grundsätzliches nicht.
  3. Kundensprache suchen. Tippen Sie im privaten Fenster ein, was ein Kunde tippen würde, samt Stadtteil. Das ersetzt keine Auswertung, zeigt aber in einer Minute, ob Sie im Spiel sind.

Häufige Ursachen: doppelte Inhalte, weil dieselbe Seite mit und ohne www, mit und ohne Schrägstrich am Ende oder mit angehängten Parametern erreichbar ist. Fehlende Struktur, weil vier Leistungen auf einer Seite stehen, statt je eine eigene Seite mit eigenem Titel zu bekommen. Kein lokaler Bezug, weil das Google-Unternehmensprofil unbeansprucht ist oder Name, Adresse und Telefonnummer in alten Verzeichnissen anders geschrieben stehen als auf der eigenen Seite. Diese NAP-Konsistenz kostet einen Nachmittag und wirkt lokal oft stärker als jede Textüberarbeitung.

Relaunch oder Renovierung?

Nicht jede Diagnose führt zum Neubau. Faustregel: Solange Design und technische Basis tragen, ist die gezielte Reparatur günstiger.

BereichRenovierung reichtNeubau ist günstiger
DesignWirkt aktuell, nur einzelne Seiten sind unruhigLayout aus einer anderen Zeit, kein System dahinter
Technik und CMSAktuelle Version, überschaubare ErweiterungenNicht mehr aktualisierbar, gewachsener Plugin-Stapel
StrukturNavigation stimmt, einzelne Seiten fehlenArchitektur bildet das Angebot nicht mehr ab
InhalteTexte sind brauchbar und aktuellSie beschreiben ein Geschäft, das es so nicht mehr gibt
MarkeUnverändertName, Positionierung oder Zielgruppe geändert
AufwandZwei bis fünf Tage, klar abgrenzbarAb etwa vier Wochen, dafür wieder wartbar

Der teuerste Weg ist der dritte: jahrelang renovieren, was längst neu gebaut gehört. Wenn Sie beim vierten Änderungswunsch in Folge hören "das geht mit dem System leider nicht", ist die Entscheidung gefallen.

Was ein Relaunch nicht kaputtmachen darf

Ein Relaunch ist kein Designprojekt mit Technik im Anhang, sondern ein Umzug. Was funktioniert hat, muss mitkommen.

  1. Redirect-Konzept. Vor dem Start eine vollständige Liste aller alten URLs ziehen und jede per 301 auf ihr inhaltliches Gegenstück umleiten. Keine Sammelweiterleitung auf die Startseite, keine Ketten über drei Stationen, und die Regeln bleiben dauerhaft bestehen.
  2. Bestehende Rankings. Seiten, die Besucher aus der Suche bringen, werden nicht stillschweigend zusammengelegt. Wenn doch, wandert die inhaltliche Substanz vollständig mit.
  3. Inhalte, die funktionieren. Vor dem Konzept in die Auswertung schauen: Welche Einstiegsseiten bringen tatsächlich Anfragen? Diese Seiten sind der Maßstab, nicht der persönliche Geschmack.
  4. Tracking-Kontinuität. Gleiches Werkzeug, gleiche Zieldefinitionen, gleiche Einwilligungslogik, dazu eine Notiz zum Launch-Datum. Sonst vergleichen Sie zwei Messungen, die nichts miteinander zu tun haben.
  5. Der Zeitpunkt. Nicht zwei Wochen vor der stärksten Saison, nicht am Freitagnachmittag, nicht während der Betriebsferien. Planen Sie danach zwei bis vier Wochen enge Beobachtung ein, in denen jemand erreichbar ist.

Wenn mehr als zwei Punkte zutreffen

Ein einzelnes Anzeichen ist eine Aufgabe für einen Nachmittag. Drei oder mehr bedeuten meist, dass die Grundlage nicht mehr trägt und jede weitere Reparatur teurer wird als der saubere Schnitt. Wichtig ist nur, dass die Entscheidung auf gemessenen Fakten beruht und nicht darauf, dass jemand die Seite langweilig findet.

Wenn Sie unsicher sind, welche der fünf Punkte auf Ihre Seite zutreffen, sehen wir sie uns einmal kostenlos an und schicken Ihnen eine ehrliche Einschätzung mit Prioritätenliste. Was Sie damit machen und mit wem Sie es umsetzen, bleibt Ihre Entscheidung.

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